Alle suchen sie: besondere Orte, versteckte Täler und wenig begangene Pfade mit intensivem Naturerlebnis, sogenannte „Hidden Gems“. Gemeint sind Plätze, an denen die Alpen ursprünglicher, weiter und leiser wirken. Gerade abseits ikonischer Landschaften und stark frequentierter Routen zeigt sich, was Natur im Kern ausmacht. Die Gastgeberinnen und Gastgeber, Wanderconcierges sowie Wanderführ:innen der Wanderhotels kennen die verborgenen Schätze ihrer Regionen genau. Sie lenken den Blick bewusst auf stillere Alternativen - etwa den Arlberg abseits des Pistentrubels oder das Kräuterdorf Irschen. Hier entfalten die Berge eine langsamere, intensivere Qualität. Genau zu diesen Orten geht es jetzt – Übernachtungstipps inklusive.
Weitere Informationen: www.wanderhotels.com

Alpbach, Tirol: Ein Blumendorf wie aus dem Bilderbuch
Es gibt Orte, die sofort präsent sind. Andere erschließen sich nach und nach. Alpbach in den Kitzbüheler Alpen gehört zur zweiten Kategorie. Es zählt zu den schönsten Bergdörfern Europas und trägt zurecht den Titel „Schönstes Dorf Österreichs“. Ein seit den 1950er-Jahren festgelegter, einheitlicher Holzbaustil verleiht dem Ort ein stimmiges Gesamtbild, das sich mühelos in die Landschaft einfügt. Der Charme des Dorfes wird nur noch von seiner Lage auf einem sonnigen Hochplateau übertroffen. Wanderwege beginnen hier direkt vor der Tür. Sie führen zu Almen, durch eine einzigartige Landschaft und vorbei an über 100 bewirtschafteten Höfen. Viele davon sind seit Jahrhunderten in Familienhand. Auch diese Nähe zur Landwirtschaft gibt Alpbach seinen ganz eigenen Rhythmus. Ein Teil dieser gewachsenen Struktur lässt sich im Böglerhof – pure nature spa resort erleben. Seit 1933 heißt Familie Duftner ihre Gäste willkommen. Ihr Haus verbindet Tradition mit einem zeitgemäßen, klaren Stil. Es liegt zentral und öffnet sich zugleich zur Landschaft mit weitem Blick über das Alpbachtal bis ins Zillertal. Zwischen entspannten Stunden im Spa und Ausflügen in die Natur entsteht ein stimmiger Wechsel. Wanderführer Andreas kennt all die unentdeckten Wege. Über wenig begangene Pfade geht es mit ihm zu Aussichtspunkten und urigen Hütten. Nach der Aktivität folgt der Rückzug ins Haus, ins Spa mit Innen- und Außenpool, Saunen und Ruheräumen. Küchenchef Hansi Treichl setzt auf das, was die Region hergibt. Klar, präzise, ohne Umwege. Gegessen wird im gemütlichen Ambiente der historischen Holzstuben. Leise und stimmig, so bleiben Alpbach und der Böglerhof im Kopf.

Bergdorf Irschen, Kärnten: Kräuter, Wissen und stille Wanderlandschaften
In Irschen beginnt das Erlebnis nicht erst auf dem Gipfel, sondern bereits am Wegesrand. Das Kräuterdorf hoch über dem Drautal steht für eine alpine Pflanzenkultur, die seit Generationen gepflegt und weitergegeben wird. Im Zusammenspiel mit der Natur entstanden hier über die Jahre Kräutergärten, Themenwege und -stationen, die Einblicke in das vermitteln, was wächst. Kräuter werden gesammelt, verarbeitet und genutzt – als Teil des Alltags, als Heilmittel und in der Küche. Führungen, Seminare und Workshops vermitteln dieses Wissen, machen es für Gäste erlebbar. Rund um Irschen erschließt sich eine der ruhigsten Wanderregionen der Ostalpen. Almwiesen, lichte Wälder und die Gipfel der Kreuzeckgruppe bestimmen das Bild. Wer hier unterwegs ist, nimmt Tempo raus. Besonders gut gelingt das im Naturhotel Landhof Irschen. Mit nur 16 Zimmern gehört das Haus zu den kleinsten Mitgliedern der Wanderhotels. Genau darin liegt seine Stärke. Das Gastgeberpaar kennt seine Gäste, gibt Empfehlungen und richtet Touren nach individuellen Wünschen aus. In kleinen Gruppen beginnen Wanderungen und Kräuterexkursionen direkt vor der Hoteltür. Nicht die Länge des Weges zählt, sondern die Entdeckungen, die unterwegs warten. Nach einem Tag draußen in der Natur geht es direkt zurück in den Garten. Hier genießt man einen hausgemachten Kräuter-Spritzer mit Blick auf die Kärntner Bergwelt. Alternativ klingt der Tag in der „Sonnenstadt“ Lienz aus.

Arlberg, Tirol: Ohne das gewohnte Tempo? Ein echter Sommer-Geheimtipp!
Wer Arlberg hört, der denkt an Winter. An Geschwindigkeit, an bestens präparierte Pisten und an Erlebnisse, die rasant vergehen. Wenn die Tage wärmer werden, verschiebt sich der Blick. Die Natur besticht durch aussichtsreiche grüne Hochalmen, blühende Bergwiesen und klare Bergseen. Ruhige, wenig begangene Wege ziehen sich durch die Weite und laden dazu ein, die Umgebung langsamer zu entdecken. Schritt für Schritt. Atemzug für Atemzug. Rund um Warth auf etwa 1.500 Metern zeigt sich diese andere Seite des Arlbergs besonders deutlich. Das ehemalige Bergbauerndorf hat sich seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Traditionelle Architektur, kleine Gasthäuser und ein starkes Bewusstsein für alpine Kultur prägen das Ortsbild. Hier verbindet sich Naturerlebnis mit gelebter Gastfreundschaft. Etwas oberhalb, auf rund 1.700 Metern, am Rand des hochalpinen Wandergebietes liegt das Ski- und Wanderhotel Jägeralpe von Familie Jäger. Selbst bergbegeistert, kennt sie die schönsten Wege und Plätze rund um den Arlberg ganz genau. Mehrere Familienmitglieder sind ausgebildete Wanderführer:innen. Sie begleiten Gäste auf Touren zu Aussichtspunkten, an denen sich Gipfel und Himmel beinahe berühren. Neben klassischen Wanderungen stehen auch Formate wie Kräuterexkursionen, Malkurse und Naturworkshops auf dem Programm, die den Blick weiten. Neues entdecken, aktiv sein, zur Ruhe kommen. Im Sommer greift hier alles ineinander.

Ahrntal, Südtirol: Wasser. Weite. Berglandschaften.
Im Ahrntal an der Grenze zu Österreich gibt das Wasser den Takt vor. Es rauscht durch Schluchten, stürzt über Felsen und zieht sich als Bach entlang der Wege. Es begleitet Wandernde mal leise, mal kraftvoll und prägt eine der ursprünglichsten Regionen Südtirols. Eingebettet zwischen mächtigen Gipfeln und über 80 Dreitausendern öffnet sich eine Landschaft, die Raum für Bewegung, Weite und den eigenen Rhythmus schafft. Besonders im Frühling und Frühsommer leuchten Wiesen sattgrün, Almflächen blühen auf. In den warmen Monaten führen aussichtsreiche Touren auf den Schwarzenstein oder den Großen Löffler, in kühle Höhen und klare Bergluft. Im Herbst tauchen Lärchenwälder die Hänge in ein warmes Gold. Mitten in dieser Kulisse liegt das Wanderhotel Drumlerhof. Gastgeberfamilie Fauster setzt seit Jahren auf einen Tourismus, der weiterdenkt und zählt zu den Pionieren eines bewussten Bergtourismus. Regionale Küche, ein schonender Umgang mit Ressourcen und ein klar strukturiertes Wanderprogramm sind charakteristisch für das Haus. Gemeinsam mit ihren Gästen erkundet Familie Fauster versteckte Wege. Die Entdeckungen verlaufen entlang historischer Bergbaupfade, führen zu urigen Hütten und auf wenig begangene Panoramahöhenwege. Der Blick reicht dabei nicht nur bis zu den nächsten Gipfeln, sondern auch über die kommende Saison hinaus. Alles, was Familie Fauster tut, zielt darauf ab, die Bergwelt auch zukünftig so zu erhalten, wie sie ist: als einzigartigen Lebensraum.

Antholzertal, Südtirol: Olympisch im Winter. Still im Sommer.
Wo fanden die Olympischen Winterspiele 2026 statt? Richtig, unter anderem im Antholzertal. Das Tal in Südtirol, nahe Bruneck und unweit der österreichischen Grenze, ist international vor allem als Austragungsort großer Wintersportveranstaltungen bekannt. Im Fokus steht Biathlon, ergänzt durch ein breites Angebot an Aktivitäten wie Langlauf, Skitouren und Schneeschuhwanderungen. Doch sobald der Schnee schmilzt, verändert sich das Bild. Im Tal kehrt Ruhe ein. Im Zentrum liegt der Antholzer See. Er zählt zu den markantesten Zielen der Region. Auf dem Wasser spiegeln sich die umliegenden Gipfel der Rieserfernergruppe. Ein Rundweg führt entlang des Ufers, durch lichte Waldstücke und vorbei an Almflächen. Ein Stück weiter oben öffnet sich der Staller Sattel. Der Pass verbindet Südtirol mit Österreich und macht den Übergang zwischen zwei Landschaftsräumen unmittelbar erlebbar. Die Wege verlaufen hier ohne sichtbare Grenze. Gästen, die die ruhigen Seiten des Antholzertals suchen, bietet das Hotel Vierbrunnenhof den idealen Ausgangspunkt. Eingebettet zwischen Wiesen und Bergen, beginnen Touren hier direkt vor dem Haus. Gastgeber Thomas ist zertifizierter Wanderführer, Landwirt und Mitglied der Bergrettung. Er kennt das Tal bis ins Detail. Seine Tipps, die über klassische Routen hinausgehen, finden sich in keiner Wanderkarte. Entdeckungen abseits der üblichen Pfade ergeben sich hier fast von selbst.

Schnalstal, Südtirol: Auf uralten Wegen durch die Ötztaler Alpen
Ein archäologischer Sensationsfund aus dem Jahr 1991 lenkte den Blick auf die Region: Ötzi, die berühmte Gletschermumie. Sein letzter Weg führte ihn durch die Ötztaler Alpen oberhalb des Schnalstals. Der Mann aus der Kupferzeit lebte vor rund 5.300 Jahren. Er zeigt, dass diese einzigartige Bergwelt zwischen Italien und Österreich schon seit Jahrtausenden von Menschen begangen wird. Das Schnalstal zweigt im Vinschgau bei Naturns in die Ötztaler Alpen ab. Je höher man kommt, desto klarer wird die Luft und desto weiter schweift der Blick. Höfe liegen verstreut in den Hängen, darüber zeichnen sich Gipfel jenseits der 3.000 Meter gegen den Himmel ab. Beim Wandern erschließt sich eine Hochgebirgslandschaft, in der die Zeit langsamer tickt und die Verbindung zwischen Mensch und Natur spürbar wird. Die Wege zwischen etwa 500 und 3.200 Metern führen in den Naturpark Texelgruppe, durch Lärchenwälder, entlang von Stauseen und hinauf in hochalpine Bereiche. Am Talschluss liegt das Tonzhaus. Es ist ein Refugium für Menschen, die Nähe zur Natur suchen. In den Zimmern und Suiten mit Lärchenholzboden und handgefertigten Möbeln aus Zirbe duftet es nach Wald, Wiesen, Bergluft. Vom Infinity Bergpool des Alpin Spa, vom Frühstückstisch oder von der Leseecke aus öffnet sich der Blick weit über die Landschaft. Gastgeber Patrizia und Andreas Götsch verbinden Kräuterwissen, Naturpädagogik und alpine Küche. Chefkoch Andreas arbeitet mit dem, was Tal und Jahreszeiten hervorbringen. Kräuter von den Wiesen und Fleisch heimischer Tiere werden zu Gerichten, die Augen, Nase und Gaumen erfreuen. Sommer in den Bergen. Ein bisschen wie früher.

Wanderhotels: Hidden Gems statt Hotspots
Mit den ersten warmen Tagen wächst die Lust, nach draußen zu gehen. Die Berge gehören dabei zu den großen Sehnsuchtsorten. Angesichts von Staus, vollen Parkplätzen und Besucheransturm an Hotspots wie dem Wilden Kaiser oder den Drei Zinnen stellt sich immer öfter die Frage, wie sich diese einzigartige Natur schützen und gleichzeitig erlebbar halten lässt. Für die Wanderhotels in Österreich und Südtirol liegt die Antwort nicht im Verzicht auf Reisen, sondern in einem bewussteren Umgang mit den Bergen. Die Alpen sind reich an stillen Wegen, abgelegenen Tälern und Landschaften abseits der bekannten Routen. Genau dort entstehen oft die intensiveren Erlebnisse. Die Wanderhotels verstehen sich als Wegbegleiter in dieser Balance. Sie leben mit und in der Natur, kennen ihre Regionen bis ins Detail und geben dieses Wissen weiter. Durch persönliche Beratung, Naturerlebnisse in kleinen Gruppen und mit einem feinen Gespür für das richtige Maß lenken sie den Blick bewusst auf weniger frequentierte, oft ebenso eindrückliche Alternativen. Es geht den Hotelier:innen darum, Besucherinnen und Besucher für ihre Berge zu begeistern. Am besten gelingt das, indem Gäste erleben, was die Berge ausmacht. Raum für Bewegung, für Wahrnehmung und für das eigene Tempo. So bleibt das Erlebnis erhalten und die Landschaft geschützt.
