Rimini ehrt Federico Fellini

2020 jährt sich der Geburtstag des Regisseurs zum 100. Mal – Grund genug für das Riesenprojekt „Fellini City“ und eine kleine Spurensuche

Suite Nummer 315 im Grand Hotel Rimini: Ein Salon mit Liberty-Mobiliar und Kristalllüstern, ein Schlafzimmer mit schön geschwungenem Holzbett und ein wunderbar altmodisches Bad mit Balkon. Hier residierte Federico Fellini, Regisseur von Weltrang und berühmtester Sohn der Stadt, wenn er in Rimini zu Besuch war.

Zu Besuch? Federico Fellini kam 1920 in Rimini zur Welt, zog aber als junger Mann nach Rom. Er mochte das Leben in der Großstadt lieber als das in der kleinen Provinz. Trotzdem ist Rimini ein bedeutsamer Ort auf der Landkarte der Weltkinematographie geworden. Erstens, weil kaum ein Fellini-Film ohne Rimini-Reminiszenzen auskommt. Und zweitens, weil Leben und Werk des Maestro hier aufgearbeitet und dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Die meisten Menschen kennen Rimini nur als Badeort. Der Strand ist 15 Kilometer lang und bis zu 100 Meter breit, im Hochsommer stellen weit über 200 Badeanstalten gut und gerne 80.000 Liegestühle in den Sand. Dabei hat Rimini sehr viel mehr zu bieten: Vom Grand Hotel mit seiner elfenbeinfarbenen Jugendstilfassade zieht sich der prächtige Viale Principe Amedeo bis vor die Tore der Altstadt, vorbei an herrschaftlichen Gründerzeit-Villen mit kiesbestreuten Einfahrten und verwunschenen Parks. Gleich hinter dem Bahnhof beginnt das „centro storico“. Die ovale Piazza Tre Martiri mit ihren Terrassen-Cafés gilt als eleganter Salon des Städtchens, unter dem langen Laubengang an der Piazzetta della Vecchia Pescheria trifft sich die Jugend, die immer zahlreicher wird, seit sich Rimini auch zu einem wichtigen Universitätsstandort mit über 5.000 Studenten entwickelt hat.

Die antike Fischmarkthalle, die angrenzende Piazza Cavour mit ihren mittelalterlichen Palazzi und dem schneeweißen Pigna-Brunnen, der Corso d'Augusto, der sich wie eine Lebensader durch die Altstadt zieht, sind nicht nur für kunsthistorisch interessierte Besucher eine Attraktion. Sie waren auch das Epizentrum der Fellini-Welt, Vorlage vieler Filmkulissen, Orte seiner Erinnerung. Hier vertrieb sich der junge Federico, der das Meer nicht mochte, die Zeit: "Damals waren wir immer in der Stadt", schrieb er 1987 in "La mia Rimini", "zum Spaziergang auf dem Corso, jeden Abend einen halben Kilometer im Schneckentempo. Von der Patisserie Dovesi bis zum Café Commercio."

Obwohl keine einzige Szene vor Ort gedreht wurde, ist Rimini in so gut wie jedem Fellini-Film präsent. Der Platz, der Brunnen, die Pescheria, der Corso, das Fulgor-Kino – fast die ganze Altstadt wurde in Roms Cinecittà originalgetreu nachgebaut und glänzt in Fellinis Jugendwerk "I vitelloni", in seinem Meisterwerk "Roma", vor allem aber in "Amarcord" (Rimineser Dialekt für "mi ricordo", zu Deutsch: "Ich erinnere mich"), ein Film, der den Geist und die reale Erscheinung des Städtchen widerspiegelt und der ihm gewidmet ist.

Das Cinema Fulgor, das mit seinen Hollywood-Filmen Fellinis Phantasie ebenso inspirierte wie die Eleganz des Grand Hotels, residiert in einem neoklassizistischen Palazzo direkt am Corso. Noch vor zehn Jahren diente es als Filmtheater, sein morbides und leicht muffiges Flair passte perfekt zu den italienischen Filmen der B-Klasse, die dort liefen. Dann wurde es geschlossen und sechs Jahre lang nach Plänen des Bühnenbildners und Oskarpreisträgers Dante Ferretti, der mehrere Filme mit Fellini gedreht hat und heute mit den weltweit bekanntesten Regisseuren arbeitet, umgebaut. Pünktlich zu Fellinis 98. Geburtstag am 20. Januar 2018 weihte Rimini das neue Fulgor ein. Die Wiedereröffnung gilt als erster Baustein des Riesenprojekts „Fellini City“, das bis November 2020 fertig werden und Besucher in eine Fellini-Welt entführen soll, die besser ist als jeder Film.

Bis es soweit ist bieten die verwinkelten Gassen des Borgo San Giuliano eine stimmungsvolle Alternative. Im Borgo („e'borgh“, wie die Rimineser ihn nennen), dem ältesten Teil der Altstadt und wohl auch dem romantischsten, ist der Regisseur fast omnipräsent. Murales schmücken die Fassaden der alten Fischerhäuschen, in denen sich heute oft hübsche Geschäfte oder gemütliche Restaurants befinden. Szenen aus "Roma" und "Casanova" sind zu erkennen, Anita Eckberg und Marcello Mastroianni in "La dolce vita" oder Fellinis Frau Giulietta Masina in "Le notti di Cabiria". Und so manche der unverfälscht-skurrilen Bewohner des Viertels wirken wie für einem Fellini-Film gecastet: laut schnatternde Frauen in zu kurzen Röcken, rotwangige junge Männer beim feuchtfröhlichen Gelage, kauzige Alte mit Gehstock und klugen Augen... sie stehen für das pralle Leben, das der Regisseur liebte und immer wieder inszenierte.

Das wirkliche Leben des großen Federico Fellini endete dort, wo er als Junge immer hinwollte: im Grand Hotel, Suite Nummer 315 mit Blick auf den Hotelpark, den Strand und das Meer. Im August 1993 – der Regisseur hatte gerade den fünften Oscar, diesmal für sein Lebenswerk, erhalten – erlitt er dort einen Schlaganfall, den er nicht überlebte. Seitdem gibt es eine weitere Station für all jene, die auf Fellinis Spuren wandeln: Fellini wurde auf eigenen Wunsch in Rimini beerdigt. Sein Grab und das seiner Frau befindet sich gleich am Eingang des Cimitero Monumentale, dem städtischen Friedhof, und ist nicht zu übersehen. Darüber erhebt sich eine große, von Arnaldo Pomodoro geschaffene Skulptur: Ein monumentaler Schiffsbug als Sinnbild für das Schiff der Träume, die Arche Noah des Unbewussten, die Reise ins Ungewisse, die allen Fellini-Filmen zugrunde liegt.

Weitere Informationen unter:
www.riminiturismo.it/en
www.cinemafulgorrimini.it/en/fulgor-cinema/

Weitere Auskünfte

Susanne Knobloch
Tel. +49 (0) 89 46 22 54 15
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