Caorle Slow: die Entdeckung der Langsamkeit

Das Hinterland und seine Produkte zu Fuß, per Fahrrad und mit der Fähre erkunden

„Chi va piano va sano e va lontano“ lautet ein altes italienisches Sprichwort. Man könnte es mit „Gut Ding braucht Weile“ übersetzen, aber das wird dem Original nicht gerecht. Denn im Italienischen kommt die Gesundheit ins Spiel: Wer langsam geht, kommt an weit entfernte Ziele, und zwar ohne unterwegs vor Anstrengung zusammenzubrechen. Heute lässt sich das Ganze mit dem Modewort „Entschleunigung“ umschreiben und genau das ist es, was sich Caorle vorgenommen hat: Tourismus ja – aber bitte behutsam, naturverbunden und nachhaltig.

Die meisten kennen Caorle als beschaulichen Badeort an der Adria: hübsche Altstadt, malerischer Hafen, schmale Gassen, schöne Strände und Venedig als attraktives Ausflugsziel vor der Haustür. Wer hier seinen Urlaub verbringt, darf sich auf „dolce farniente“ freuen – hektisch war es in Caorle noch nie.

Mit „Caorle Slow – Hike & Bike“ möchte die Stadtverwaltung ganz bewusst den Fokus auf einen langsamen und ökologischen Tourismus richten. Das Projekt versteht sich als Ergänzung des Badeurlaubs und soll dem Besucher eine Erfahrung bieten, die sich vom durchgetakteten Arbeitsalltag unterscheidet. Dafür wurden rund 300 Kilometer Wander- und Fahrradwege erschlossen, die in Caorles kaum bekanntes Hinterland führen. Zu den interessantesten Routen gehört beispielsweise eine 10-Kilometer-Tour, die zu diversen „casoni“ (Fischerhütten) führt. Einige der Wege verbinden zudem landwirtschaftliche Betriebe, die unter anderem Reis oder Nüsse produzieren und Besichtigungen und Produktdegustationen anbieten. Im Mittelpunkt der gut ausgeschilderten Strecken stehen die Natur, die kleinen Dörfer und Bauernhöfe der Umgebung, die Menschen, die dort leben und arbeiten, sowie die gastronomischen Spezialitäten der Region. „Caorle Slow“ soll die Region vom seinem reinen Sommertourismus-Image befreien und als Ganzjahresdestination etablieren.

"Die besondere historische und territoriale Beschaffenheit von Caorle erlaubt es uns, ein zusätzliches Angebot vorzuschlagen“, sagt Bürgermeister Luciano Striuli, „wir haben ja nicht nur 18 Kilometer Strand, sondern auch ein historisches Zentrum, eine Lagune mit charakteristischen "casoni" (Fischerhütten), einen kleinen Hafen, an dem man jeden Tag die Ankunft der Fischerboote beobachten kann, und die typischen Gerichte, deren Hauptakteur natürlich frischer Fisch ist. Die Möglichkeiten des Städtchens passen perfekt zu den Möglichkeiten des Hinterlandes: Dank der neuen Rad- und Spazierwege, die von der Gemeindeverwaltung und von Privatpersonen angelegt wurden, vernetzen wir die verschiedenen Angebote, um den Touristen so interessante wie hochwertige Erfahrungen zu bieten".

Um den Überblick über die vielen neuen Routen und Attraktionen zu behalten, gibt es ab Juni eine neue App, auf der sämtliche Informationen zur Wegführung, Entfernungen, Schwierigkeitsgrade oder mögliche Abweichungen in Echtzeit online abrufbar sind. Die App informiert auch über die Fahrzeiten der ebenfalls im Sommer neu eingesetzten, elektrisch angetriebenen Öko-Fähre, die Caorle mit Brussa und Vallevecchia verbindet. Zwar liegt die Naturoase Vallevecchia nur 150 Meter Luftlinie von Caorle entfernt, ist aber durch den „Canalon“ (die Mündung der Lagune) von der Stadt getrennt, sodass man auf dem Landweg rund 43 Kilometer zurücklegen müsste, um sie zu erreichen. Dabei lohnt sich der Besuch: Die von Meer, Lagune und Flussgewässern begrenzte, 900 Hektar große Insel Vallevecchia punktet mit einem Ökosystem von bemerkenswerter Komplexität und dem wunderschönen, wilden Brussa-Strand.

Ursprünglich war dieses Gebiet eine Lagune, die erst nach der Trockenlegung des Sumpfgebietes in den 60er Jahren zu einer Insel wurde. Heute ist Vallevecchia der letzte nicht urbanisierte Küstenstreifen an der nördlichen Adria. Mit seinem charakteristischen Dünensystem gilt er als perfekter Zufluchtsort für Liebhaber der Natur, des Friedens und der Ruhe sowie als geschützter Nist- und Tummelplatz für viele Vogelarten. Die brackigen Gewässer werden dagegen vom berühmten Aal bevölkert, der von den Fischern der Region gerne als "bisato al speo" über dem offenen Feuer am Spieß zubereitet wird.

Für all jene, die zu Hause schonmal vorab auf den Geschmack kommen möchten, sind hier zwei regionaltypische Rezepte zum Nachkochen:

Risotto mit Wolfsbarsch
Einen ca. 1 kg schweren Wolfsbarsch mit Karotten, Zwiebeln und Sellerie kochen und in mundgerechte Stücke zerteilen. Die Fischstücke auf vorab in Butter glasig gedünstetem Carnaroli-Reis in einen Kochtopf geben und nach und nach mit dem Fischsud aufgießen, bis der Reis „al dente“ gegart ist (ca. 20 Minuten). Mit gehackter Petersilie servieren.

Gemischter, in Bierteig frittierter Fisch
Zwei Eier, 250 g Mehl, 100 ml Bier und etwas Salz zu einem Teig verrühren und eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. In der Zwischenzeit die Fische (Meerbarben, Baby-Oktopus, Tintenfische, Garnelen) sorgfältig säubern. In einem Kochtopf Öl auf 180 Grad erhitzen. Garnelen und Meerbarben durch den Teig ziehen, Oktopus und in Ringe geschnittene Tintenfische in Mehl wälzen, alles im heißen Öl frittieren und auf einem gut vorgewärmten Teller mit Zitronenschreiben servieren.

Weitere Informationen zur Region unter www.caorle.eu

Weitere Auskünfte

Barbara Bergler
Tel. +49 (0) 89 30 90 41 95
bergler@girasole-pr.de